Erfahrungsbericht zu Solus 4.3

Linux-Distributionen - eine einfache Liste von Linux-Distributionen mit einer kurzen Beschreibung
beluga
Beiträge: 189
Registriert: Fr 16. Jul 2021, 08:49
Has thanked: 37 times
Been thanked: 118 times

Erfahrungsbericht zu Solus 4.3

Beitrag von beluga »

solus_kde plasma.jpg
Solus - Plasma Desktop

Kurze Einleitung
Solus ist eine Rolling Release Distribution - auf Desktop-Anwender zugeschnitten und ist "built from scratch“, basiert also auf keiner anderen Distribution.
2014 von Ikey Doherty ins Leben gerufen, betreut nach dessen Weggang Ende 2018 ein engagiertes Solus-Team die Weiterentwicklung.
Spricht man von Solus, ist oftmals "nur" vom Budgie-Desktop die Rede... Nicht ganz zu unrecht - schließlich ist den Entwicklern damit eine mit eigenen Tools leicht zu konfigurierende und sehr ansprechende Oberfläche gelungen. Fast alle größeren Distributionen haben sie mittlerweile in ihre Editionen eingereiht.
Daneben bietet Solus noch drei weitere Desktops wie etwa Gnome, Mate und KDE Plasma zur Auswahl.

Installation
Der Installationsprozess gestaltet sich relativ einfach und ist für alle Versionen identisch wie in diesem Beitrag (Budgie-Desktop) beschrieben:
viewtopic.php?t=462
Einzige kleine Hürde: Leider lässt sich bislang diese Routine nur in englisch durchführen was aber niemanden abschrecken sollte. Mit der vorgenannten Anweisung gelangt man sicher Schritt für Schritt - auch ohne weitreichende Englischkenntnisse - ans Ziel.

Solus ist ein erfreulich schlankes System das auf unnötigen Ballast verzichtet. Vorinstalliert wird nur das, was für den laufenden Betrieb nötig ist sowie in der Regel wenige Anwendungen je Rubrik. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die Installation mit dem schlichten Installer erfolgt in gefühlter Rekordzeit.
Die ISO-Images stehen hier zum Download bereit: https://getsol.us/download/

Aktualisierung des Rolling Release
Eine Besonderheit von Solus ist der Akualisierungszyklus. Updates werden regelmäßig freitags - also u. U. etwas verzögert - bereit gestellt.

Inbetriebnahme
Nach ersten Neustart sollte zunächst das System auf den aktuellen Stand gebracht werden. Die Systemsprache ist bereits jetzt komplett auf deutsch umgestellt. Lediglich Firefox benötigt etwas "Nachhilfe".
Die Auswahl der direkt aus dem Repository zur Verfügung stehenden Software-Pakete kann mit der von Debian zwar nicht mithalten. Jedoch ist diese für alle Bereiche sei es Büro, Grafik, Video usw. mehr als ausreichend und stets auf aktuellsten Stand. Fast alle Anwendungen, die ich unter Debian installiert habe, waren auch im Repository von Solus verfügbar.
Als Standard-Browser setzt Solus auf Firefox. Die Installation zusätzlicher Software kann direkt über das Software-Center erfolgen. Routinierte User erledigen dies - wie von anderen Distros gewohnt - schneller via Terminal.
Weitere Anwendungen lassen sich aus den sogenannten Third-Party-Bereich (Dritt-Anbieter) nachinstallieren.
Eine Übersicht ist hier zu finden: https://getsol.us/articles/software/third-party/en/
Erfahrungsgemäß läuft die Installation über das Terminal zügiger als im Software Center.

Wird man auch hier nicht fündig, stehen mit Flatpaks bzw. AppImages weitere Resourcen bereit.
Notfalls kann auch auf Snap zurück gegriffen werden.
Hier ist jedoch etwas Vorsicht geboten. Gelegentlich funktionieren diese nicht, bzw. plötzlich nicht mehr...

Hardware
Solus verfügt über eine vorzügliche Hardware-Erkennung und installiert automatisch alle benötigten Treiber.
Probleme mit NVidia-Grafiktreiber hatte ich weder am Desktop-PC noch am Laptop. Es waren keine Nachjustierungen nötig.

Drucker und Scanner
Die Treiber für Drucker und Scanner aller bekannten Marken wie Epson, Cannon, HP, Brother usw. stehen im Software-Center bereit.
Bei USB-Geräten gibt es in der Regel keine Probleme. Lediglich der Scanner von Epson verweigert hartnäckig den Dienst via Netzwerk/Wlan - ist per USB-Schnittstelle aber sofort startklar.

Installierte Anwendungen
Internet: Betterbird 91.9.0 -Fork von Thunderbird- (tar.bz2-Archivdatei); Firefox 99.0.1 (R); Signal-Desktop 5.41.0 (R); TeamViewer 15.29.4 (Third-Party);
Büro: LibreOffice 7.3.1 (R); PDFArranger 1.8.2 (R); Paperwork (R); Tellico (F); Gramps (R); Softmaker Office 2021 Professional (direkt vom Anbieter); OnlyOffice 7.0.1 (AppImage); Boomaga -virtueller Drucker- (R)
Grafik: Epson Image-Scan (R); Gimp 2.10.30 (R); Gwenview (R); Inkscape 1.1.2 (R); Okular (R); Quick ń Easy Webbuilder 9.2.0 (Hersteller); Photoflare 1.6.9 (F); Skanlite (R); Scribus 1.5.8 (R)
Multimedia: VLC Media Player 3.0.17.3 (R); ClipGrab (AppImage); mp3gain (R); Audacity 2.4.1(R) ; Youtube-Downloader (F); Gydl (F); VideoDownloader (F); MediathekView (AppImage);
zudem diverse KDE-Anwendungen
(R)= Repository (F)= Flatpak

Fazit
Mit Solus Linux kam ich vor ca. sechs Jahren erstmals in Berührung. Der Budgie-Desktop hatte sofort mein Interesse geweckt. Als Grundlage dient ein aktuelles Gnome (42.0). Im Gegensatz zum klassischen Gnome-Desktop kommt hier ein Panel mit Startmenü, Favoritenleiste und diverse Applets für Benachrichtigungsbereich und vielem mehr zum Einsatz. Entgegen manch anderen Informationen im Internet ist es eine mit eigenen Tools sehr gut konfigurierbare und wandelbare Desktopumgebung. Ein weiterer wesentlicher Vorteil gegenüber Gnome: Bei Versionssprüngen entstehen keinerlei Inkompatibilitäten zwischen den verwendeten Budgie-Applets. Anders bei Gnome und den verwendeten Extensions, die oftmals wochenlang zwangs-deaktiviert werden und der Aktualisierung hinterher hinken.
Eine weitere von mir favorisierte Deskop-Variante von Solus ist KDE Plasma (aktuell in Version 5.24.4).
Das System läuft - ähnlich wie Budgie - seit der Erstinstallation im Juli 2021 (Version 4.3 Fortitude) auf einen weiteren System absolut stabil ohne Einschränkungen im produktiven Einsatz.
Größere Probleme - insbesondere im Aktualisierungsprozess hatte ich bislang noch nicht. Das heißt aber nicht, dass es auf anderen Systemen genau so sein muss... Einen Nachteil der gegenüber z. B. zu Debian geringeren Software-Auswahl dürfte für den "normalen" Desktop-User kaum ins Gewicht fallen. Was man für das tägliche Arbeiten benötigt ist vorhanden, bzw. schnell nachinstalliert. Zudem stellt ein schlankes ballastfreies System einen geringeren Aufwand für die Paketbetreuer dar.
Solus ist meines Erachtens auch für interessierte Linux-Einsteiger empfehlenswert.
Zuletzt geändert von beluga am Do 5. Mai 2022, 11:02, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Rocki
Beiträge: 195
Registriert: Fr 16. Jul 2021, 01:58
Wohnort: Schweiz
Has thanked: 205 times
Been thanked: 25 times

Re: Erfahrungsbericht zu Solus 4.3

Beitrag von Rocki »

Auch auf meinem iMac läuft Solus prima seit ein paar Wochen. Ich hatte mal aus eigener Schuld ein Update abgebrochen, danach bootete Solus nicht mehr, und ich dachte sofort an eine Neuinstallation. Ich konnte dann aber mit einer Live-CD eines anderen Systems das Update nachholen - alles funktionierte wieder prima.

Solus 4.3 fortitude mit Budgie 10.6.1 auf iMac 12,2 1.0 - Auflösung 2560x1440 - CPU Intel i7-2600 (8) @ 3.800 GHz - GPU AMD ATI Radeon HD 6970M/6990M und GPU Intel 2nd Generation Core Processor Family - Memory 5634MiB / 7935MiB.

Mittlerweile habe ich noch Mate 1.26.0 nachinstalliert und kann je nach Wunsch wechseln. Gefällt mir auch. Mate ist Xfce (punkto Gebrauch) näher als Budgie (das Gnome näher ist). Mate wird aber offenbar schneller und aktiver weiterentwickelt als Xfce.
«Wer alles weiss, hat keine Ahnung.» – Horst Evers
weser
Beiträge: 6
Registriert: Mi 1. Sep 2021, 14:49

Re: Erfahrungsbericht zu Solus 4.3

Beitrag von weser »

@beluga

Die Treiber für Drucker und Scanner, zb. Epson XP-6100, sind aber schon sehr alt.
Gibt es dafür schon neuere Treiber? Mit den alten Treibern ist der Epson als Scanner eine Zumutung.

Ich habe keine neueren Treiber bei Solus gefunden, vielleicht nicht die richtigen Fragen gestellt?

Was für mich wichtig ist, --xsane-- ein Programm mit dem Scanner angesprochen werden, in Solus nicht vorhanden.

Würde mich freuen, wenn mir jemand helfen kann.

mfg weser
Benutzeravatar
robertgoedl
Administrator
Beiträge: 904
Registriert: Sa 10. Jul 2021, 01:47
Wohnort: Graz
Has thanked: 37 times
Been thanked: 452 times
Kontaktdaten:

Re: Erfahrungsbericht zu Solus 4.3

Beitrag von robertgoedl »

weser hat geschrieben: So 8. Mai 2022, 10:39
Würde mich freuen, wenn mir jemand helfen kann.

mfg weser
Xsane ist leider nicht für Solus verfügbar - eine ähnlich professionelle Scan-Software wäre jedoch VueScan. Kostet zwar Geld, aber nur wenn man wirklich nach den 30 Tagen kostenlosen Test wirklich alle Funktionen braucht. Einfach von VueScan herunterladen, das komprimierte Archiv herunterladen und die darin liegende Datei "vuescan" per Mausklick starten:
VueScan
VueScan
Windows lässt sich mit einem U-Boot vergleichen - mach ein Fenster auf und die Probleme beginnen ...
beluga
Beiträge: 189
Registriert: Fr 16. Jul 2021, 08:49
Has thanked: 37 times
Been thanked: 118 times

Re: Erfahrungsbericht zu Solus 4.3

Beitrag von beluga »

weser hat geschrieben: So 8. Mai 2022, 10:39 @beluga

Die Treiber für Drucker und Scanner, zb. Epson XP-6100, sind aber schon sehr alt.
Gibt es dafür schon neuere Treiber? Mit den alten Treibern ist der Epson als Scanner eine Zumutung.

Ich habe keine neueren Treiber bei Solus gefunden, vielleicht nicht die richtigen Fragen gestellt?

Was für mich wichtig ist, --xsane-- ein Programm mit dem Scanner angesprochen werden, in Solus nicht vorhanden.

Würde mich freuen, wenn mir jemand helfen kann.

mfg weser
Unter Solus steht xsane leider nicht zur Verfügung.
Es ist dennoch möglich, den Scanner in Betrieb zu nehmen.
Folgende Tools sollten über das Terminal installiert werden:

Code: Alles auswählen

sudo eopkg install utsushi iscan ipscan libinsane libksane sane-backends
Die Installation einer Reihe von Abhängigkeiten muss explizit im Terminal bestätigt werden.
Für den Drucker ist der Treiber:

Code: Alles auswählen

sudo eopkg install epson-inkjet-printer-escpr
erforderlich.
Nach einem Neustart des PC's und des Druckers kann der Drucker über die Druckerverwaltung eingerichtet werden. Der Scanner ist nun über die USB-Schnittstelle ansprechbar und via Scanner-Software der Wahl
z. B. Epson Image Scan (siehe Bild) bereit.
Ich bevorzuge Skanlite bzw. Simple-Scan.
Die Funktion des Drucker- / Scannertreibers unter Linux hängt in erster Linie nicht von dessen Alter ab. Funktioniert er, dann funktioniert er eben... ;)
Zuletzt geändert von beluga am So 8. Mai 2022, 17:47, insgesamt 1-mal geändert.
weser
Beiträge: 6
Registriert: Mi 1. Sep 2021, 14:49

Re: Erfahrungsbericht zu Solus 4.3

Beitrag von weser »

@robertgoedl
Vuescan ist mir bekannt, ist in meinem Fundus

@beluga
Die alten Treiber sind längst installiert, die Beschreibung dafür ist unnötig.
Wenn jemand mit den --iscan-- Treiber arbeiten möchte, meinetwegen. Für mich ist dieser UrUrUralt-Treiber eine Zumutung.

Es gibt von Epson auch neue Treiber die besser sind. Mal bei Epson suchen und fündig werden.

mfg weser
beluga
Beiträge: 189
Registriert: Fr 16. Jul 2021, 08:49
Has thanked: 37 times
Been thanked: 118 times

Re: Erfahrungsbericht zu Solus 4.3

Beitrag von beluga »

weser hat geschrieben: So 8. Mai 2022, 17:06 @robertgoedl
Vuescan ist mir bekannt, ist in meinem Fundus

@beluga
Die alten Treiber sind längst installiert, die Beschreibung dafür ist unnötig.
Wenn jemand mit den --iscan-- Treiber arbeiten möchte, meinetwegen. Für mich ist dieser UrUrUralt-Treiber eine Zumutung.

Es gibt von Epson auch neue Treiber die besser sind. Mal bei Epson suchen und fündig werden.

mfg weser
Danke für Deinen Hinweis. In einem früheren Beitrag habe ich mich bereits eingehend damit befasst: viewtopic.php?t=334
Diese Treiber sind für *.deb bzw. *.rpm basierende Distributionen. Sie sind zwar neueren Datums, qualitativ stehen die für Solus diesen in nichts nach. Bin mit beiden Systemen unterwegs und konnte bislang keinerlei Einschränkungen feststellen. Jedenfalls nicht bei meinem Scanner, der relativ neu ist.
Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema