Erfahrungsbericht zu Debian 11 Bullseye

Linux-Distributionen - eine einfache Liste von Linux-Distributionen mit einer kurzen Beschreibung
beluga
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Erfahrungsbericht zu Debian 11 Bullseye

Beitrag von beluga »

debian_xfce.jpg
Debian 11 - XFCE-Desktop

Kurze Einleitung
Debian - im August 1993 von Ian Murdock gegründet - ist eine der Dienstältesten und am weitesten verbreiteten Linux-Distributionen.
Heute wird das Projekt von über 1.000 offiziellen Entwicklern aktiv fortgeführt. Viele weitere Linux-Distributionen basieren auf Debian.

Installation
Debian eilt oft der Ruf voraus, es sei schwierig zu installieren bzw. kompliziert zu konfigurieren. Dem ist mitnichten so.
Als einzige Schwierigkeit scheint es, an das "Richtige" bzw. für seine Bedürfnisse passende Installationsmedium zu gelangen.
Debian macht es einem auf seiner offiziellen Website https://www.debian.org/download nicht gerade leicht. Ein Wirrwarr an weiterführenden Links, Hinweise auf offizielle / inoffizielle Installer, Offline- bzw. Netinstaller... Der Linux-Einsteiger ist hier schnell überfordert und steigt vorzeitig aus. Hat er sich vielleicht doch zu einem der ISO "durchgewurschtelt", zu seinem Pech auch noch ohne passende Treiberunterstützung, ist die Enttäuschung und in Folge daraus ablehnende Haltung zu Debian / Linux nachvollziehbar. Hier ist Verbesserungsbedarf angesagt.
Der nachfolgende Beitrag zeigt ausführlich den Weg zum passenden Installationsmedium, eine Installations- und grundlegende Konfigurationsanleitung:
viewtopic.php?t=150
Nach dem Neustart erfolgt das obligatorische Update des System. In der Regel ist die Lokalisierung nun weitestgehend korrekt.

An Debian schätze ich die sprichwörtliche Stabilität des Systems. Um an akuelle Software zu gelangen, stellt der Weg über sogenannte Backports einen für mich vertretbaren Kompromiß dar. Zumal ich dies ausschließlich für LibreOffice nutze.
Die sources.list wurde dementsprechend via Terminal mit Root-Berechtigung geändert:

Code: Alles auswählen

nano /etc/apt/sources.list
Den Inhalt komplett löschen und nachfolgende Zeilen einfügen:

Code: Alles auswählen

deb http://deb.debian.org/debian bullseye main contrib non-free
deb http://deb.debian.org/debian-security/ bullseye-security main contrib non-free
deb http://deb.debian.org/debian bullseye-updates main contrib non-free
deb http://deb.debian.org/debian bullseye-backports main contrib non-free
Mit [strg + O] speichern mit [strg + Enter] bestätigen und abschließend mit [strg + x] beenden.
Noch ein

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apt update
apt full-upgrade
Am Beispiel für LibreOffice

Code: Alles auswählen

sudo apt install -t bullseye-backports libreoffice libreoffice-l10n-de libreoffice-help-de
erhält man nun die aktuellste Version. Derzeit: 7.3.3

Weitere Software
Der Umfang der an zur Verfügung stehenden Anwendungen unter Debian ist in der Linux Welt beispiellos. Sollte man hier wirklich nicht fündig werden - irgend ein *.deb-File findet sich garantiert irgendwo zum Download. Zudem lassen sich Flatpaks und AppImages problemlos einbinden.

Drucker und Scanner
Die meisten Hardware-Hersteller wie Epson, HP, Canon, Brother usw. unterstützen mittlerweile Linux recht ordentlich. Insbesondere für Debian stehen oftmals Treiber im *.deb-Format zum Download bereit.

Desktop-Umgebung
Unter Debian präferiere ich den XFCE-Desktop. Resourcenverbrauch und Anpassbarkeit sprechen für sich.
Es ist völlig unverständlich, weshalb XFCE in der Standard-Konfiguration dermaßen häßlich aussehen muss... Da macht sich Debian genau so wenig Mühe, wie die meisten anderen Distributionen auch. Mit wenigen Handgriffen und dem auf XFCE zugeschnittenen Theme Orchis bringt man im Zusammenspiel mit dem Fluent Icon Theme schnell etwas Frische und Ästhetik rein...

Fazit
Debian 11 Stable (Bullseye) ist nach wie vor meine erste Wahl. Im vergangenen August 2021 erfolgreich von Debian 10 Stable nach 11 Stable ohne Probleme migriert, verrichtet es seinen Dienst auch weiterhin recht ordentlich ohne größere Probleme. Dieses System wird seit Jahren im beruflichen Umfeld genutzt, das ich bisher nur Debian "anvertraue". Hält man sich in Sachen Aktualität vs. Stabilität dezent zurück, sollte das auch weiterhin möglich sein.
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Rocki
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Re: Erfahrungsbericht zu Debian 11 Bullseye

Beitrag von Rocki »

Jetzt haben wir hier schon sehr viel Information über Debian. Das ist sehr nützlich. Und wenn du auch die Migration noch beschreiben könntest, würde ich das ebenso sehr schätzen. Danke.
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beluga
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Re: Erfahrungsbericht zu Debian 11 Bullseye

Beitrag von beluga »

Rocki hat geschrieben: Sa 7. Mai 2022, 13:04 Jetzt haben wir hier schon sehr viel Information über Debian. Das ist sehr nützlich. Und wenn du auch die Migration noch beschreiben könntest, würde ich das ebenso sehr schätzen. Danke.
Das ist relativ einfach:
Kurz vor dem Veröffentlichungszeitpunkt der nächsten stabilen Version Debian 12 ändert man in der sources.list
die Bezeichungen von bullsey auf stable, also

deb http://deb.debian.org/debian stable main contrib non-free
deb http://deb.debian.org/debian-security/ stable-security main contrib non-free
deb http://deb.debian.org/debian stable-updates main contrib non-free

mit sudo apt dist-upgrade migriert das System automatisch...
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Re: Erfahrungsbericht zu Debian 11 Bullseye

Beitrag von Rocki »

Also beides machen - auf stable ändern und dist-upgrade?
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Re: Erfahrungsbericht zu Debian 11 Bullseye

Beitrag von robertgoedl »

Rocki hat geschrieben: Sa 7. Mai 2022, 23:06 Also beides machen - auf stable ändern und dist-upgrade?
Am einfachsten ist es den Release-Namen anzugeben, also etwa 'bullseye'. So entstehen keine Verwirrungen.
Windows lässt sich mit einem U-Boot vergleichen - mach ein Fenster auf und die Probleme beginnen ...
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Re: Erfahrungsbericht zu Debian 11 Bullseye

Beitrag von Rocki »

Entschuldige, aber das ist mir immer noch zu wenig, weil ich das noch nie gemacht habe. Die ganz konkreten Schritte würde ich gerne erfahren.
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Re: Erfahrungsbericht zu Debian 11 Bullseye

Beitrag von robertgoedl »

Gelingt recht einfach - als Admin am Terminal:

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nano /etc/apt/sources.list
Die Datei könnte in etwa so aussehen:

Code: Alles auswählen

# deb cdrom:[Debian GNU/Linux 11.3.0 _Bullseye_ - Official amd64 NETINST 20220326-11:22]/ bullseye main

#deb cdrom:[Debian GNU/Linux 11.3.0 _Bullseye_ - Official amd64 NETINST 20220326-11:22]/ bullseye main

deb http://deb.debian.org/debian/ bullseye main contrib non-free
deb-src http://deb.debian.org/debian/ bullseye main contrib non-free

deb http://security.debian.org/debian-security bullseye-security main contrib non-free
deb-src http://security.debian.org/debian-security bullseye-security main contrib nonfree

#bullseye-updates, to get updates before a point release is made;
# see https://www.debian.org/doc/manuals/debian-reference/ch02.en.html#_updates_and_backports
#deb http://deb.debian.org/debian/ bullseye-updates main contrib non-free
#deb-src http://deb.debian.org/debian/ bullseye-updates main contrib non-free
Um etwa von "bullseye" auf "bookworm" zu wechseln, gilt es "bullseye" durch "bookworm" zu ersetzen - also alle Vorkommen. Anschließend wird mit Strg+o gespeichert - die Nachfrage mit Eingabe bestätigt. Mit Strg+x wird der Editor geschlossen, anschließend erfolgt das Update:

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apt update
apt upgrade
apt full-upgrade
reboot
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Re: Erfahrungsbericht zu Debian 11 Bullseye

Beitrag von Rocki »

Danke, das ist jetzt sehr klar. Wäre dann dist-upgrade nicht noch einfacher?
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Re: Erfahrungsbericht zu Debian 11 Bullseye

Beitrag von robertgoedl »

Der Befehl:

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dist-upgrade
kann noch immer verwendet werden - sollte aber auch so angewendet werden:

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apt-get update
apt-get upgrade
apt-get dist-upgrade
Der Grund ist der - mit dem zweiten Befehl werden erst einmal alle Pakete aktualisiert, bei denen dies ohne Probleme funktioniert. Der dritte aktualisiert anschließend das restliche System. Eigentlich sollte es auch problemlos mit:

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apt update
apt full-upgrade
funktionieren, wie auch mit:

Code: Alles auswählen

apt-get update
apt-get dist-upgrade
Ich hatte noch nie Probleme damit.
Windows lässt sich mit einem U-Boot vergleichen - mach ein Fenster auf und die Probleme beginnen ...
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