Einfache Netzsperren unter Linux und anderen Betriebssystemen umgehen

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robertgoedl
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Einfache Netzsperren unter Linux und anderen Betriebssystemen umgehen

Beitrag von robertgoedl »

Ich mag es, wenn alles funktioniert! Das Internet ist frei, jeder sollte auf alles Zugriff haben - auf alles, was eben da ist. Doch dann kommt der Staat daher und verbietet mir, was immer er auch will.

Ich sehe mir beispielsweise gerne RT an - nicht wegen russischer Propaganda, sondern weil es auch sehr gute Beiträge gibt. Es wurde beispielsweise ja nicht nur RT gesperrt, sondern es waren auch so einige andere Online-Sender. Russland ist unheimlich groß, es gibt viele schöne Dinge, es gibt auf vielen gesperrten Webseiten auch Berichte über die Menschen und die Natur dort.

Für andere sind wieder Kinox und Co interessant - aber auch vieles andere wird gesperrt, vieles, was nützlich wäre, aber vom Staat uns vorsorglich vorenthalten wird.


Dieser Tipp ist nicht wirklich nur unter Linux interessant - er funktioniert mit jedem Betriebssystem.


Wie funktionieren Websperren eigentlich?

Eine komplette Webseite wirklich zu sperren, ist nicht ganz so einfach. Hierzu müsste man die Firewall konfigurieren, und dies ist für Internet-Provider nicht wirklich einfach. Sie haben nämlich für den Internet-Verkehr keine, sie würde das Internet zu sehr bremsen.

Daher geht man einen sehr einfachen Weg: Der Provider nutzt seinen eigenen DNS-Server, das Telefonbuch des Internets, um einen Webseiten-Abruf auf eine eigene Webseite umzuleiten, die den Hinweis enthält, die abgerufene Website sei nicht abrufbar.

Wie kann man Netzsperren umgehen?

Es muss hier festgehalten werden: Netzsperren zu umgehen, ist nicht illegal! Geschweige denn, einen anderen DNS-Server als den vom Provider zu nutzen. Oft bringt dies sogar Vorteile: Webseiten werden etwa schneller gefunden.

Wie schon beschrieben, nutzt man einen anderen DNS-Server als den vom Provider. Der Internet-Verkehr fließt zwar noch über den Provider, DNS-Abfragen jedoch über den genutzten DNS-Server.

Nutzt man einen Router, um ins Internet zu kommen, trägt man bei ihm den neuen DNS-Server ein. Dies funktioniert ganz einfach über die grafische Oberfläche des Routers - meist im Bereich der Internet-Verbindungsdaten:
DNS-Server per Router wechseln
DNS-Server per Router wechseln
Ich selbst nutze beispielsweise den DNS-Server von Google. Wie gesagt, ich weiß, wie Google seine Geschäfte macht, niemand bekommt unsere Daten, sie bleiben in den Händen von Google. Darum habe ich auch nichts gegen die Datensammelwut von Google (bei Facebook und Co. ist das anders).

Die DNS-Server von Google:

Code: Alles auswählen

8.8.8.8
8.8.4.4
Zwei nimmt man deshalb, weil einer ausfallen könnte. Aus dieser Sicht ist das schon sicherer, als nur den einen des Providers zu nutzen.

Für Benutzer, die nichts von Google halten, gibt es freie DNS-Server weltweit ohne Ende, ohne Netzsperren - siehe Ungefiltert Surfen DE:
Offene DNS-Server ohne Sperren weltweit
Offene DNS-Server ohne Sperren weltweit
Diese muss man jedoch direkt in der Desktop-Umgebung - unter Linux etwa im Network-Manager - eingeben. Dies funktioniert auch dann, wenn man nicht per Router ins Internet geht, sondern etwa per UMTS-Internet-Stick:
DNS-Server per Network-Manager ändern
DNS-Server per Network-Manager ändern
Je nachdem, ob man per Router oder per Internet-Stick online geht, ist ein Neustart des Routers oder des Desktop-Betriebssystems nötig (auch bei der FritzBox - diese übernimmt die Einstellungen zwar sofort, aber angewendet werden sie erst viel später).

Hier etwa einige in Österreich gesperrten Seiten:
dns-3.jpg
dns-4.jpg
Windows lässt sich mit einem U-Boot vergleichen - mach ein Fenster auf und die Probleme beginnen ...
derberT
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Re: Einfache Netzsperren unter Linux und anderen umgehen

Beitrag von derberT »

off topic:
sondern weil es auch sehr gute Beiträge gibt
Dann solltest Du zumindest einen anderen screenshot wählen.
Dann kommt der Staat daher und verbietet mir, was immer er auch will.
Der eigene ist mir schon zuwider, aber es geht eben noch schlimmer.

Bert, sozialisiert in der Sadowaja 302b
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Rocki
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Re: Einfache Netzsperren unter Linux und anderen Betriebssystemen umgehen

Beitrag von Rocki »

Robert: Es entsteht bei mir ein wenig der Eindruck, die Google-DNS-Server müsse man in der Router-Maske eintragen, die freien DNS-Server aber im Network-Manager (bei IP4). Das stimmt wohl kaum. Kannst du das bitte noch ein wenig differenzieren.
Zwei Fragen: Was, wenn diese freien DNS-Server schlappmachen? Und kann ich da auch auf Seiten geleitet werden, die unter Sicherheitsaspekten nicht zu empfehlen sind?
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robertgoedl
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Re: Einfache Netzsperren unter Linux und anderen umgehen

Beitrag von robertgoedl »

derberT hat geschrieben: Mo 14. Nov 2022, 20:19
Ich habe auf diverse Beiträge gar nicht geachtet - es geht nur darum zu zeigen - es funktioniert.
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robertgoedl
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Re: Einfache Netzsperren unter Linux und anderen Betriebssystemen umgehen

Beitrag von robertgoedl »

Rocki hat geschrieben: Mo 14. Nov 2022, 23:51
Das Angenehme an DNS-Adressen vom Internet-Provider - sie sind kurz, haben vier Stellen. An und für sich einfach IP-Adressen. Der Internet-Provider kann diese so kurz halten, weil diese in seinem eigenen Netz liegen.

Die IP-Adressen von freien DNS-Servern können dies nicht tun - es handelt sich schließlich um ganz normale, im Internet verfügbare Server. Haben also ganz normale, längere IP-Adressen.

Im Router sind jedoch meist nur vier Stellen zur Eingabe verfügbar, längere kann man also gar nicht angeben. Die von Google haben auch nur vier Stellen (wie es funktioniert - keine Ahnung). Im Network-Manager haben ganz normale IPs Platz - es ist also ganz einfach eine technische Frage ;)

Es handelt sich bei einem DNS-Server um ganz normale Name-Server - nicht um einen Proxy. Eine DNS-Server leitet einfach weiter, während der Proxy-Server natürlich auch umleiten kann.
Über freie DNS-Server kommst Du ganz einfach auf alle Seiten im Internet - egal ob dies jetzt freundliche (sicherheitstechnisch gesehen) Betreiber sind oder nicht.

Zwecks Erreichbarkeit - natürlich kann einmal einer ausfallen - dies kann auch der vom Provider (darum kommt man hin und wieder auch einfach unerklärlicherweise nicht ins Netz). Der Vorteil - man kann zwei wählen, einer sollte immer funktionieren.
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Re: Einfache Netzsperren unter Linux und anderen Betriebssystemen umgehen

Beitrag von Rocki »

Danke, das ist jetzt klar geworden. Ich schliesse daraus: Wenn eine Abfrage des Benutzers beim einen bei ihm eingetragenen DNS-Server auf Granit beisst, wird sie automatisch auf den (die) anderen umgeleitet - bis sie Erfolg hat bzw. bis alle seine eingetragenen DNS-Server abgearbeitet sind. Wo die DNS-Server eingetragen sind beim Benutzer - ob in der Router-Maske oder bei den Network-Settings -, ist dabei egal. Hat man allerdings mehrere Computer am gleichen Router und trägt die DNS-Server nicht in der Router-Maske ein, so muss man sie bei jedem Computer gesondert in seine Netzwerkeinstellungen eintragen.

Bei Solus OS Budgie sehen die Netzwerk-Einstellungen übrigens so aus:
Network Settings Solus OS Budgie.png
und so:
Erweiterte Netzwerkkonfiguration Solus OS Budgie.png
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Alexs
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Re: Einfache Netzsperren unter Linux und anderen Betriebssystemen umgehen

Beitrag von Alexs »

Unter XFCE erreicht man übrigens den unteren Dialog von Rocki über Startmenü → Erweiterte Netzwerkkonfiguration oder im Terminal über nm-connection-editor.
Meine DNS-Einträge sind seit Jahren 1.1.1.1, 8.8.8.8, 8.8.4.4.
Eine kleine Übersicht der mir bekannten kurzen Einträge:
Bild
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