Wissenswertes zu Flatpaks

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zebolon
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Wissenswertes zu Flatpaks

#4343

Beitrag von zebolon »

Dies soll eine Ergänzung zum Beitrag: Flatpaks unter Linux ganz einfach installieren sein.

Flatpaks dienen zur Softwareverteilung und Virtualisierung von Desktop-Anwendungen unter Linux. In einer Sandbox-Umgebung laufen diese isoliert vom Rest des Systems.

Zum Konzept von Flatpaks gehört es, dass jede Applikation eine Laufzeitumgebung ("Runtime") benötigt. So werden Laufzeitumgebungen für Gnome und KDE bereitgestellt. Mehrere Flatpak-Apps können sich dieselben "Runtimes" teilen, sofern diese die gleiche Version der Umgebung nutzen. Fehlt eine Laufzeitumgebung, wird sie automatisch mitinstalliert. Es können auch mehrere parallel installiert sein. Alle benötigten Binaries, Bibliotheken, Konfigurationsdateien und sonstige Abhängigkeiten sind inkludiert.

Vorteile vom Flatpak-Format:

- Aktualisierung kann unabhängig von der Betriebssystem-Basis erfolgen.
- Unter fast allen Distributionen nutzbar.
- Bereitstellung der Bibliotheken in exakt den Versionen, für die sie getestet wurden.
- Parallele Nutzung unterschiedlicher Versionen von Programmen.
- Zugriffssteuerung auf das Dateisystem, um Zugriffe auf Kamera, Mikrofon usw. zu beschränken.
- In Kombination mit anderen Lösungen gänzlich neue Typen von Distributionen wie z. B. Fedora Silverblue...

Nachteile vom Flatpak-Format:

- Bei Sicherheitsupdates für einzelne Bibliotheken müssen alle Flatpaks aktualisiert werden, die diese Bibliotheken enthalten. Es besteht ein Risiko, dass dies vereinzelt nicht konsequent umgesetzt wird.
- Die Verantwortung für die Prüfung der eingereichten Flatpaks liegt bei Flathub. Teils bestehen Zweifel an der Qualitätsprüfung.
- Ein höherer Speicherplatzverbrauch, da letztlich dieselbe Bibliothek (ggf. in unterschiedlichen Versionen) mehrfach installiert wird. Das System ist weniger effizient in dieser Richtung.

Installation z.B. unter Debian 11:

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sudo apt install flatpak
Verwenden Sie die Gnome-Desktopumgebung, sollte das Flatpak-Plugin für Gnome installiert werden:

Code: Alles auswählen

sudo apt install gnome-software-plugin-flatpak
Mit nachfolgendem Befehl wird das Flathub-Repository eingebunden:

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sudo flatpak remote-add --if-not-exists flathub https://flathub.org/repo/flathub.flatpakrepo
Es folgt ein Neustart mit:

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sudo reboot
Erste Anlaufstelle für Flatpak-Anwendungen ist Flathub.
Geben Sie in der Suchleiste einen entsprechenden Begriff ein ...
bild 1.jpg
Klicken Sie auf das Symbol - im Beispiel "MediathekView"...
bild 2.jpg
Im nächsten Fenster scrollen Sie nach unten - ein Klick wie beschrieben fügt den Befehl in die Zwischenablage ein.
bild 3.jpg
Öffnen Sie ein Terminal und klicken per Kontextmenü auf "einfügen"...
bild 4.jpg
Bestätigen Sie mit Eingabe von: "Y"
und warten die Installation ab. Die Anwendung - hier im Beispiel "MediathekView" - finden Sie wie gewohnt im Anwendungsmenü unter "Multimedia".

Wichtige Befehle für den Umgang mit Flatpaks

Auflisten aller installierten Flatpak-Anwendungen:

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flatpak list 
Updates von einzelnen Flatpaks:
Systemweit ...

Code: Alles auswählen

sudo flatpak update [PAKET] 
Lokal ...

Code: Alles auswählen

flatpak update --user [PAKET]
Update aller Flatpak-Applikationen:

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sudo flatpak update
Deinstallation von einzelnen Flatpaks:
Systemweit ...

Code: Alles auswählen

sudo flatpak uninstall PAKET 
Lokal ...

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flatpak uninstall --user PAKET 
Eine Deinstallation ungenutzter, verwaister Flatpaks erreicht man hiermit:

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sudo flatpak uninstall --unused
Verbliebene Cache-Dateien nach einer Deinstallation werden mit folgendem Befehl bereinigt:

Code: Alles auswählen

sudo rm -rfv /var/tmp/flatpak-cache-*

Weitere interessante Beiträge zum Thema Flatpaks finden Sie hier:

Die Rechte von Flatpaks mit Flatseal unter Linux regeln
GTK-Design auf Flatpaks anwenden

Eine abschließende Bemerkung: Flatpaks, Snaps als auch AppImages sind Bezugsquellen außerhalb des offiziellen Repository. Sie sollten - nicht nur aus Sicherheitsgründen - nur dann als Alternative genutzt werden, wenn regulär keine adäquate Anwendung verfügbar ist. Zudem kann die Dateigröße durchaus mehrere hundert Megabyte betragen.

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zebolon
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Re: Wissenswertes zu Flatpaks

#4356

Beitrag von zebolon »

Ein Beispiel für eine sinnvolle Anwendung von Flatpaks:
bild c.jpg
Epson Scan 2 - Scanner Software

Nicht unter allen Distributionen stehen passende Gerätetreiber für die jeweilige Paketverwaltung zur Verfügung.
Epson bietet auf seiner Download-Seite lediglich Treiber im DEB- bzw. RPM-Format an. Diese lassen sich in Solus nicht nutzen. Bei Manjaro und EndeavourOS müssen entsprechende Treiber erst zeitaufwendig aus dem AUR kompiliert werden. Das kann auch bei einem flotten Rechner eine gefühlte Ewigkeit dauern. Zum Dank funktionieren diese dann auch nicht sonderlich.

Hier bietet Flathub eine willkommene Alternative, die auch ohne Probleme funktioniert. Sowohl USB- als auch WLan-Geräte werden unterstützt.
bild a.jpg
Unter Epson Scan 2 auf Flathub lässt sich der Treiber mit passendem Suchbegriff ausfindig machen und mit folgendem Befehl installieren:

Code: Alles auswählen

flatpak install flathub net.epson.epsonscan2
Die Anwendung ist nun im Menü startklar.
bild b.jpg

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