GIMP unter Linux, macOS und Windows erweitern

Grafik-Software unter Linux
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robertgoedl
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GIMP unter Linux, macOS und Windows erweitern

Beitrag von robertgoedl »

GIMP (GNU Image Manipulation Program) ist nicht nur die umfangreichste und professionellste Bild-Bearbeitung unter Linux, sondern sie lässt sich um viele Funktionen erweitern. GIMP ist nicht nur unter Linux bekannt, sondern auch unter MAC OS, UNIX und natürlich auch unter Microsoft Windows. In diesem Beitrag geht es nun um die Erweiterung dieser Software um Skripte, Pinsel und Funktionen die natürlich allesamt wie die Software selbst kostenlos sind - natürlich unter allen Systemen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten die Software GIMP um Funktionen und Pinsel zu erweitern, so einiges findet man unter Linux schon in der Paket-Verwaltung (hier spreche ich natürlich wieder von Debian und darauf basierenden Distributionen wie Ubuntu und Linux Mint) und natürlich die manuelle Installation die weit mehrere Funktionen bringt.

Debian-Pakete

GIMP selbst installieren Sie wenn nicht vorhanden unter Debian oder darauf basierenden Distributionen ganz einfach über die Paket-Verwaltung durch das Paket "gimp". Zusätzlich finden Sie noch weitere Pakete wie etwa "gimp-data-extras" (weitere Pinsel, Farb-Paletten, Gradiente), "gimp-plugin-registry" (viele Erweiterungen), "gimp-dds" (DirectDraw Surface), "gimp-gap" (Animationen), "gimp-gluas" (LUA), "gimp-gmic" (Grey's Image Converter), "gimp-lensfun" (Lensfun) und vieles mehr (einfach in der Paket-Verwaltung nach "gimp" suchen). Nach der Installation und einem Neustart der Software GIMP verfügbar.

Woher bekommt man Erweiterungen?

Hier gibt es viele Homepages die solche anbieten, die bekanntesten sind wohl FX-Foundry, Scripts Bundle for GIMP, Gimphelp.org und Deviantart.

Manuelle Installation

Als Erstes sollte man gleich einmal wissen - es gibt mehrere Arten von Erweiterungen für GIMP, es gibt Plugins, Module, Scripte und Filter. Plugins sind fix integrierte Funktionen, wie auch Module, Scripte sind flexible Erweiterungen, die man schnell wieder tauschen kann und Filter erfüllen diverse kleinere Funktionen. Als Erstes wollen wir uns gleich einmal ansehen, wohin die jeweiligen Erweiterungen auf welchem System gehören. Auch gibt es zwei Varianten, die User-Version, bei der nur der jeweilige User die Funktion nutzen kann und die systemweite Installation bei der jeder User diese nutzen kann.
BetriebssystemArtVerzeichnisPlug-insSkripteModulePinsel
LinuxBenutzer/home/benutzer/.config/GIMP/2.10/plug-insscriptsmodulesbrushes
System/usr/share/gimp/2.0/scriptsbrushes
ab Windows 7BenutzerC:\Users/User\.gimp-2.xplug-insscriptsmodulesbrushes
SystemC:\Program Files\GIMP\share\gimp\2.xplug-insscriptsmodulesbrushes
macOS / UnixBeidesUsers/User/Library/Application Support/GIMPplug-insscriptsmodulesbrushes
Scripte

Scripte (haben die Datei-Endung ".scm") lädt man sich ganz einfach von der jeweiligen Homepage herunter, entpackt diese, wenn sie in einem komprimierten Archiv vorliegen und verschiebt sie wie oben beschrieben in die jeweiligen Verzeichnisse, sollen sie systemweit nutzbar sein geschieht dies natürlich als User "root". Unter auf UNIX basierenden Systemen wie natürlich auch Linux und macOS gilt es diese Scripte danach erst ausführbar zu machen, systemweit natürlich als User "root". Dies funktioniert bei vielen Scripten natürlich am einfachsten und schnellsten auf dem Terminal - etwa wenn die Dateien unter "/home/user/.gimp/scripts" liegen durch den Befehl:

Code: Alles auswählen

chmod +x /home/benutzer/.config/GIMP/2.10/scripts/*
Startet man GIMP neu finden sich die entsprechenden Scripte in den Menüs einsetzbar.

Plugins

Die Installation von Plugins ist etwas aufwendiger, sie haben die Datei-Endung ".c", sind also im Quelltext geschrieben und müssen erst in eine funktionierende Anwendung übersetzt werden. Dies ist jedoch sehr einfach - zumindest unter Linux und Unix (also auch unter MAC OS). Sie installieren über die Paket-Verwaltung das Paket "libgimp2.0-dev", unter Microsoft Windows hilft hier nur die Installation von Cygwin (fnden Sie unter Cygwin) und über diesen Terminal-Emulator installieren Sie nun das entsprechende Paket.

Wieder entpacken Sie die Dateien, wenn nötig aus dem komprimierten Archiv und starten die Übersetzung nun je nachdem ob Sie die Software alleine oder systemweit nutzen wollen als normaler User oder als User "root" durch den Befehl mit den nötigen Optionen:

Code: Alles auswählen

gimptool-2.0 - -build dateiname.c
übersetzt das Plugin nur:

Code: Alles auswählen

gimptool-2.0 - -install-bin dateiname
installiert das zuvor kompilierte Plugin und:

Code: Alles auswählen

gimptool-2.0 - -install dateiname.c
Wie "- -build", kopiert das Plugin jedoch auch gleich in das passende Verzeichnis.

Pinsel

Auch Pinsel findet man ohne Ende etwa auf Deviantart oder auch indem Sie einfach unter Google nach "gimp brushes" suchen, auch solche von Photoshop können problemlos genutzt werden. Zur Installation entpacken Sie wieder, wenn nötig die Archive und speichern die Dateien in den oben angegebenen Verzeichnissen im Unter-Verzeichnis "brushes". Nach einem Neustart von GIMP sind diese verfügbar.
Windows lässt sich mit einem U-Boot vergleichen - mach ein Fenster auf und die Probleme beginnen ...
rockyracoon
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Re: GIMP unter Linux, macOS und Windows erweitern

Beitrag von rockyracoon »

Seit es 16-Bit fähig ist, ist für mich als Amateur-Photograph Gimp die Software der Wahl.
Photoshop? Das war mal ein "Hauptargument" für Windows, was imho seit Gimp 2.10 hinfällig ist.
Erweitern sollte man Gimp unbedingt um "gimp-dcraw" zum Import von RAW-Dateien sowie um "gimp-gmic" zur Erweiterung der Filter und "gimp-plugin-registry", um Photos leichter als Web-Datei speichern zu können.
GraphicsPower
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Re: GIMP unter Linux, macOS und Windows erweitern

Beitrag von GraphicsPower »

rockyracoon hat geschrieben: Fr 6. Aug 2021, 11:39 Erweitern sollte man Gimp unbedingt um "gimp-dcraw" zum Import von RAW-Dateien sowie um "gimp-gmic" zur Erweiterung der Filter und "gimp-plugin-registry", um Photos leichter als Web-Datei speichern zu können.
Danke für den Hinweis, das habe ich heute erledigt. :)
Allerdings halte ich den Nutzwert von gimp-dcraw für höchst zweifelhaft, da die letzte Version (1.32-1+b1) zum letzten mal 2016 verändert wurde und offenbar noch immer dem Stand von 2008 entspricht. Dave Coffin hat schon vor Jahren aufgehört die Farbmatrizen neuer Kameramodelle einzuarbeiten, das macht er seinen Angaben nach nur mehr auf Anfrage und die Kompatibilitätsliste auf seiner Webseite ist inzwischen uralt. Der letzte Quellcode stammt aus dem Jahr 2018 und ist inzwischen auch schon wieder 3 Jahre alt. Deswegen halte ich Programme wie RawTherapee oder darktable für wesentlich geeigneter und zuverlässiger für die digitale Dunkelkammer.
rockyracoon
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Re: GIMP unter Linux, macOS und Windows erweitern

Beitrag von rockyracoon »

@GraphicsPower:
Yep.
Meiner Erfahrung nach kann RawTherapee Dcraw würdig ersetzen. Es liefert RAW-Photos nach Import und Bearbeitung praktischerweise an Gimp weiter.
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Alexs
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Re: GIMP unter Linux, macOS und Windows erweitern

Beitrag von Alexs »

Leider ist in Sachen Plugin bei Gimp nicht alles eitel Sonnenschein wie ich seit längerer Zeit feststellen musste.

Ich habe früher das Plugin Resynthesize genauer gesagt davon die Heal Selection-Funktion sehr oft verwendet. Seit GIMP 2.10 funktioniert es nicht mehr, weil dafür ein aktuelles gimp-python benötigt wird, welches aber aussortiert wurde. :(

Info dazu: https://www.bitblokes.de/heal-selection ... -gefunden/
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GraphicsPower
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Re: GIMP unter Linux, macOS und Windows erweitern

Beitrag von GraphicsPower »

rockyracoon hat geschrieben: Fr 6. Aug 2021, 22:04 Meiner Erfahrung nach kann RawTherapee Dcraw würdig ersetzen.
Nein kann es nicht, hier irrst du dich! RawTherapee verwendet Dcraw sehr wohl, allerdings nehmen sich die Leute dort die Zeit, um die notwendigen Farbmatrizen neuerer Kameramodelle zu erstellen, daher ist deren Kompatibilitätsliste auf jeden Fall wesentlich aktueller. Wer das nicht regelmäßig in bestimmten Intervallen macht verliert irgendwann den Anschluß. Abgesehen davon gibt es Sensoren, die nicht gerade einfach zu handhaben sind, wie z.B. Foveon X3 oder X-Trans, was sowohl meßtechnisch als auch in der Programmierung den Entwicklern einiges abverlangt.

Es hat in der Vergangenheit schon genug Ärger mit zu langen Wartezeiten gegeben, niemand hat heute mehr die Geduld, daß er oder sie 8 Monate auf eine Softwareanpassung warten muß, nur damit man endlich auch das proprietäre Rohformat einer Kamera nutzen kann. Unter diesen Umständen ist es auch durchaus verständlich, daß Profis lieber bei Apple und MacOS bleiben. :geek:
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